
Polyamid & Elastan: Technische Textilien verstehen
Was sind technische Textilien?
Während Naturfasern wie Baumwolle und Leinen wegen ihres Tragekomforts geschätzt werden, sind Funktionsstoffe für spezifische Leistungskriterien wie Elastizität, Strapazierfähigkeit und Feuchtigkeitsmanagement entwickelt worden. Die beiden gängigsten Bestandteile moderner Sport- und Bademode sind Polyamid und Elastan .
1. Polyamid (Nylon)
Polyamid ist ein synthetisches Polymer, das historisch unter seinem Markennamen Nylon bekannt ist. Es war das erste kommerziell erfolgreiche synthetische thermoplastische Polymer.
- Strapazierfähigkeit: Polyamid ist außergewöhnlich robust und abriebfest. Daher wird es für Sicherheitsgurte und militärische Ausrüstung verwendet. Bei Kleidung bedeutet dies Langlebigkeit – es neigt nicht zum Pilling und reißt nicht so leicht.
- Feuchtigkeitsmanagement: Im Gegensatz zu Baumwolle, die Wasser aufnimmt, ist Polyamid hydrophob (wasserabweisend). Es transportiert Feuchtigkeit an die Oberfläche des Stoffes, wo sie verdunsten kann, wodurch dieser „schnell trocknet“.
- Haptik: Modernes, hochwertiges Polyamid (oft in Italien hergestellt) ist so konzipiert, dass es sich weich und seidig anfühlt, im Gegensatz zu billigerem Polyester, das sich plastikartig anfühlen kann.
2. Elastan (Spandex/Lycra)
Elastan ist eine synthetische Faser, die für ihre außergewöhnliche Elastizität bekannt ist. In Nordamerika wird sie oft Spandex genannt, in Europa Elastan. Lycra® ist lediglich ein Markenname für eine bestimmte Art von hochwertigem Elastan.
- Dehnbarkeit: Elastan kann sich um bis zu 500-700 % seiner ursprünglichen Länge dehnen und kehrt anschließend wieder in seine ursprüngliche Form zurück.
- Rückstellvermögen: Das wichtigste Merkmal von Elastan ist seine Rückstellkraft. Minderwertiges Elastan leiert mit der Zeit aus und verliert seine Form (z. B. an den Knien). Hochwertiges Elastan (wie Lycra Xtra Life) ist beständig gegen Chlor, Hitze und Körperöle und sorgt so dafür, dass das Kleidungsstück jahrelang seine Form behält.
3. Die Mischung (Warum mischen?)
Man sieht nur selten Kleidungsstücke, die zu 100 % aus Elastan bestehen (das wäre wie ein Gummiband). Es ist immer ein Mischgewebe.
Eine typische Hochleistungsmischung (z. B. für Bademode oder Leggings) besteht aus 80 % Polyamid und 20 % Elastan .
- Das Polyamid sorgt für Struktur, Haltbarkeit und einen weichen Griff.
- Das Elastan sorgt für Kompression und Bewegungsfreiheit.
4. Umweltaspekte
Da es sich bei beiden um synthetische Fasern handelt, basieren sie auf Kunststoff und sind nicht biologisch abbaubar. Innovationen verändern diesen Sektor jedoch:
- Recyceltes Polyamid (ECONYL®): Hergestellt aus wiederaufbereiteten Abfällen wie Fischernetzen und Industriekunststoffen.
- Mikroplastik: Da Funktionskleidung Mikrofasern abgibt, wird empfohlen, sie in einem „Guppyfriend“-Beutel oder mit einem Mikrofaserfilter zu waschen, um Verschmutzungen zu vermeiden.
Abschluss
Polyamid und Elastan bilden das Rückgrat moderner Sportbekleidung. Richtig verarbeitet bieten sie Eigenschaften, die Naturfasern nicht erreichen: grenzenlose Dehnbarkeit, schnelles Trocknen und extreme Strapazierfähigkeit.


